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Einmaleins für Angelfreunde

Hallo Angelfreunde oder wie viele sagen Fischerfreunde!

Mein Name ist Stephan „Hacki“ Hackbarth.

Leider gibt es zum Angeln in der Region Canavieiras sehr wenig Informationen,  mit Ausnahme der Hochseefischerei. Ich habe im Januar und Februar einen wunderbaren Urlaub in Canes verbracht. Mein Plan für den Urlaub war, viel zu fischen und ich habe viel gefischt. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die ersten zwei Wochen verheerend waren, zumindest was das Fischefangen angeht. Ich bin mit einer guten Ausrüstung an den Start gegangen, habe aber auf Grund mangelnder Informationen lange gebraucht um die Eigenheiten der dortigen Fische zu begreifen. Das Angeln in den Gezeitenflüssen Rio Pardo und Rio Patipe ist extrem schwierig und damit meine Zeit nicht umsonst war und Ihr nicht so lange braucht wie ich, gibt es jetzt Fakten und nochmals Fakten. Haltet Euch genau daran und der Erfolg wird definitiv Euer sein.

Die Gezeiten
Fast die gesamte Fischerei ist von Ihnen abhängig. Wie Gezeiten funktionieren wissen viele von Euch selbst. Nur kurz. Die Anziehungskraft des Mondes sorgt dafür, dass das Wasser von der Küste abläuft und wieder aufläuft. Höchster Wasserstand wechselt nach 6 Stunden mit niedrigstem Wasserstand. Info Canavieiras Gezeiten hier. Die höchste Aktivität haben wir bei allen Raubfischen von einer Stunde vor Ebbe (Niedrigwasser) bis 2 Stunden nach der Ebbe (auflaufendes Wasser). Dann schlägt des Anglers Stunde.

Die wichtigsten Fischarten
Der Robalo/Snook - Sehr häufig und kommt in zwei Arten vor. Der kleine Vertreter ist silbrig und wird bis ca. 50 cm häufig gefangen. Schwarmfisch. Zu finden im gesamten Gewässersystem vorrangig jedoch zwischen Wurzel-  und Strauchwerk in Ufernähe. Zieht weit in die Flüsse hoch und kommt schon parallel zu Tukunare (ButterflyBass) vor. Markenzeichen beider Arten ist die deutlich ausgeprägte schwarze Seitenlinie vom Kopf bis zur Schwanzwurzel. Beide Arten springen im Drill wie die Teufel.

Köder: weiße oder blau-weiße Schwimmwobbler bis 7 cm extrem flachlaufend (Rappalla oder Illex), an der Fliegenrute schwimmende Garnelen oder Popperfliegen in weiß und grau bis 4 cm, Köderfisch oder Garnele an der Grundangel (beides gibt es in den Fischläden am Hafen). Der größere Robalo Flecha (sprich Flescha) erreicht bis 20 kg und mehr als einen Meter Länge. Gestreckter als der Kleine und am Rücken bronze bis gold glänzend.

Beste Chancen an den Barras (Flussmündungen) im Norden und Süden der Insel, sowie am Strand. Zieht bis weit ins Meer hinaus. Ich habe einige über 10 Kilo gefangen und bin von diesen Tieren fasziniert. Kurze aber brachiale Drills, die Bisse sind Explosionen. Am häufigsten an Kanten vor Sandbänken oder Wurzelwerk in Ufernähe. Große Exemplare meiden im Sommer die kleineren Flüsse.

Köder: weiß-gelb-rot Kombinationen bei Schwimmwobblern bis 12 cm extrem flachlaufend – beim Spinnfischen sehr schnelle 2 Meter lange Züge mit mind. 2 Sekunden! Pause – beim Trolling 40 bis 50 Meter hinterm Boot zügig bis schnell gegen! die Strömung schleppen – an der Fliegenrute 6 bis 10 cm lange Streamer in weiß Kombinationen, kurze Züge mit hoher Beschleunigung, am besten direkt raubende Fische anwerfen.

Fazit: Ein bildschöner, sehr schmackhafter Fisch. Kurze, harte Drills. Achtung! Böse Stacheln an Rücken und Afterflosse!

Der Barrakuda
Ein hechtähnlicher tropischer Raubfisch. Kaum zu verwechseln mit seinen bösen Zähnen. Ich habe sie in den strömungsstarken Bereichen der südl. Barra gefangen. An der Oberfläche über tiefem Wasser. Wenn Sie rauben – direkt hinfahren. Spinnfischen wegen des trüben Wassers weniger gut als Trolling. Köder wie bei Snook. Noch mehr speed beim Fischen. Die Tiere reagieren, wie die meisten anderen auch, nicht auf langsame Köder.

Fazit: Nicht häufig im Fluss, dennoch täglich zu beobachten. Sehr schmackhaft. Achtung!

Wirklich böse Zähne und eine kleine, aber hundsgemeine Rückenflosse.

Der Espada
Schon ein merkwürdiger Fisch. Der Kopf erinnert an einen Barrakuda, der Fisch ist sehr abgeflacht, hat einen großen Flossenkamm auf dem Rücken und keine Schwanzflosse. Silber glänzend, seine wahre Größe erkennt man oft erst außerhalb des Wassers. Ich habe Espadas von 70 cm bis 1,5 Meter gefangen.

Sehr häufiger Fisch im Bereich bis zum Hafen (Rio Pardo) nicht häufig im Patipe. In der südlichen Barra garantierte Fänge, dort sehr zahlreich.

Zwei sichere Angelmethoden.

Die Erste ist das Trolling (Köder wie Snook und Barrakuda – auch etwas größer).

Getrollt wird etwas langsamer ca. 3 bis 5 Knoten, entlang der Sandbänke oder der sehr gut sichtbaren Strömungskanten. In der südl. Barra liegen ca. eine Stunde nach einsetzender Flut 3 oder mehr Strömungskanten unterhalb der großen Sandbank auf der Insel. Gut zu erkennen durch das viele Treibgut. Große Strudel verraten die Espadas. Die Köder sollten sehr oberflächennah laufen, das gilt für alle Fische. Dem Biss gehen oft krasse Angriffe voraus. Die Großen Exemplare sind ausdauernde Kämpfer.

Die Zweite Methode ist sehr simpel. Ein größerer Einzelhaken am 0,6 mm Hardmonovorfach. Davor ein 50 Gramm schweres Blei. 2 Meter vor dem Blei eine kleine Colaflasche auf die Hauptschnur schlingen. An den Haken kommt ein Köderfisch bis 15 cm Länge (es gibt einige heringsähnliche Köderfische) am besten geschuppt und eingeschnitten. Das Boot an einer Strömungskante verankern und die Montage abtreiben lassen. Geht auch von dem Steg am Hafen. Beim Biss lange warten, der Espada flitzt mit der Flasche meist gegen die Strömung weg.

An der Fliegenrute nehmt Ihre weiße Streamer bis 6 cm. Zügig ohne zu stoppen führen.

Fazit: Ein schicker Fisch, sehr lecker. An der leichten Spinnrute ein sehr starker Fisch. Achtung! Sehr, sehr böse Zähne. Ansonsten keine Zacken oder Stacheln.

Bagre/Saltwater Catfish
Klassische Catfishform des Körpers. Merkmale dieser Welsart sind die Fettflosse hinter der Rückenflosse und die Barteln. Eine kleine gelb-braune Art und eine große grau-weiße Art sind heimisch. Die kleinen sind Weltmeister im Köderabfressen und bis zu 2 Kilo schwer.  Man fängt sie überall im Fluss meist über Steinen und im tieferen Wasser. Fischstücke und Garnelen bringen ganz sicher Bisse an der Grundrute(Zweihakensystem).

Die großen fängt man nachts entlang der Sandbänke der südl Barra oder bei auflaufendem Wasser am Strand. Vom Land aus oder vom Boot ist egal. Fischstücke oder ganze kleine Köderfische bringen Erfolg. Die großen werden bis 15 Kilo schwer und sind brutale Kämpfer. Ich habe mir einen an der 8er Fliegenrute gegönnt, ca 6 Kilo, der Drill war der Hammer.

Fazit: Super Kämpfer, ein toller Speisefisch. Achtung! Die Stacheln der Brustflossen sind wahnsinnig spitz und haben Widerhaken. Unvorsichtigkeit beendet hier sofort den Urlaub.

Xareu/Jack Crevalle
Eine räuberische Makrelenart, bildhübsch mit langen Flossen. Erscheinungsbild und Lebensweise ähnlich wie GT. Im Rio Pardo von der Barra bis zum Hafen gut fangbar. Schwarmfisch. Xareus jagen im Rudel und fallen wie die Wölfe über die Kleinfischschwärme her. Bester Fangplatz ist die Kante vor der westlichen Sandbank unterhalb der südlichen Barra. Gut in der Dämmerung.

Die beste Angelmethode ist Trolling (zügig) mit Wobblern wie bei Snook. Für Xareu schalten wir einen Meter vor den Wobbler eine 6 bis 10 cm lange Fliege (weiß Kombinationen) an einem kurzen Vorfach. Dann oft 2 Fische im Drill. Oft auch Beifang beim Naturköderfischen auf Bagre. An der Fliegenrute echt tolle Fische, am besten zu fangen mit weiß-roten Streamern bis 5 cm. Schnell führen. Bei auflaufendem Wasser auch auf den flachen Sandbänken der südl. Barra.

An der Spinnrute nur beim Rauben, dann Köderführung wie beim Snook.

Fazit: Toller Sportfisch und immer zuverlässig zu fangen. Super auf dem Grill. Achtung! Landehandschuh verwenden. Böse Stacheln am Schwanzstiel.

Der Tarpoon
Die Fische werden stark befischt und sind im Bestand nicht stark. Durch das meist sehr trübe Wasser ist es nicht leicht die Fische zu verfolgen und anzuwerfen. Fahrt nicht mit der Erwartung nach Canes einen Tarpoon zu fangen, freut Euch wenn Ihr einen bekommt. Die beste Methode ist die Riesenheringe mit einer Shrimpfliege auf Sicht anzuwerfen. Habe zweimal Kontakt gehabt und zweimal verloren. Rute der Klasse 10 ist Pflicht. Große weiße Streamer gehen auch. Man sieht häufig Tarpoone bis 100 Kilo springen, Schwarmbildung ist aber eher selten.

Fazit: Gigantische Fische, leider fast ausgerottet, dennoch realistische Chancen. Viel Zeit und Geduld investieren. Motto- erst finden und beobachten, dann anwerfen. Nicht mit der Rute werfend suchen, dann verzweifelt man.

So das waren erst mal die wichtigsten und spannendsten Fische die Euch dort begegnen werden. Es gibt natürlich noch viel mehr Fischarten die Euch begegnen werden aber das würde den Rahmen hier wirklich sprengen. Redfisch, Rochen, Muränen, viele verschiedene Barscharten, einige kleinere Makrelenarten und Friedfische bevölkern sonst noch dieses schöne Gewässer. Täglich begegnet man Delphinen, Eisvögeln, Fischadlern und mit etwas Glück einem Riesenotter. Die Fauna ist sehr vielfältig und es gibt immer etwas spannendes zu entdecken.

Tips
Köder: Wobbler ohne Ende. Immer schwimmend, immer flach laufend, immer weiß Kombinationen(trübes Wasser) 5 bis 10 cm. Rasseln! Vor den Wobbler immer Monovorfach 0,50 bis 0,60 mm bis zu 2 Meter lang.

Eine Auswahl Fliegen und Popper, aber nicht zu groß. Ähnlich wie bei der Fischerei auf starke Bachforellen. Ich hatte viel zu große Fliegen mit und musste auf schöne Fische verzichten. Ruten 8 bis 10. Schwimmschnur oder Schußkopf, schwimmende Vorfächer.

Es fischt dort kein Mensch mit der Fliege, man hat schnell Zuschauer und die Fische lieben kleine Streamer. Aber auch kleine und kleinste Nass- oder Trockenfliegen bringen richtig gute Fische.

Schnur, Haken, Blei und Naturköder bekommt Ihr in der Stadt. Es gibt aber keine Kunstköder. Wenn Ihr keine mitbringt, habt Ihr nichts zum Fischen. Und Ihr braucht nur Wobbler, nichts fischt besser.

Angeln auf der Farm
Ungefähr 20 Kilometer von der Stadt entfernt liegen die Shrimpfarmen. Einige dieser Teiche sind mit Amazonasfischen besetzt. Eine sehr gute Fliegenfischerei auf Arapaima und Welse. Die Fische werden ohne Widerhaken gefangen, schonend behandelt und wieder zurückgesetzt. Man kann dort einen schönen Tag mit großen Fischen, leckeren Köstlichkeiten aus der heimischen Produktion und natürlich auch ein kühles Bier genießen. Die Leute dort sind sehr freundlich, das Angeln ist erschwinglich und besonders für Kinder geeignet. Ich habe dort eine sehr gute Fischerei erlebt und einen echt schönen Tag gehabt. Buchen müsst Ihr diesen Ausflug über BahiaTropical. Transfers erfolgt nach Absprache.

Ein gutes Angelboot
bekommt man bei Marcelo in der Marina Canes unmittelbar hinter der Brücke der Inselzufahrt rechts (ist an der Mauer ausgeschildert). Ein gemütlicher älterer Herr mit dem man gut zurechtkommt. Ein Boot kostet am Tag je nach Ausstattung  20,- bis 30,- Euro. Sprit muss man selber besorgen, ist nicht schwierig denn es gibt mehrere Tankstellen in der Stadt. Meist werden 2-Takter gefahren, deshalb nicht vergessen Öl beizumischen. Vorher buchen am besten über Pitt oder Raphael. Gute Landangelplätze, mit Ausnahme des Strandes, gibt es wenig. Am Besten ist der Hafenbereich. Ein Boot ist für ein erfolgreiches Fischen unbedingt notwendig.

Mehr kann ich nicht für Euch tun und damit hätte ich vom ersten Tag an gut gefangen. Ich hoffe es hilft Euch und wünsche Euch einen wunderbaren Urlaub und ein dickes „Petri Heil“ Euer Hacki.

BahiaTropical - Canavieiras - Bahia - Brasil +55 73 999 200 640 mail: pitt@bahiatropical.com